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Berichte

2008-04-01 – Die Frauengeschichten des Prinzen Louis Napoleon

Der spätere Kaiser Napoleon III. hinterließ Nachwuchs in Konstanz und Umgebung

File-id: 143
Prinz Louis Napoleon, etwas über 20 Jahre alt, mit seinem Rappen am Hang von Arenenberg. Als elegant gekleideter Dandy (in der linken Hand einen Zylinder des Hutmachers Michael Schedler, dem Vorgänger des heutigen Herrenausstatters Zwicker) machte er die Gegend unsicher.
Foto: Napoleonmuseum Schloss Arenenberg
Konstanz (-) Prinz Louis Napoleon, der spätere französische Kaiser Napoleon III., erreichte am 7. Dezember 1815 als Siebenjähriger mit seiner Mutter Horstense Konstanz. Sie waren auf der Flucht aus Frankreich über die Schweiz in das vergleichsweise verschlafene Städtchen gelangt. Wenig später kaufte seine Mutter das Schloss Arenenberg am Untersee. Konstanz wurde in den darauffolgenden Jahren so etwas wie ihre „Residenzstadt“.
Als junger Mann dürfte Louis Napoleon nach heutigen Begriffen ganz das Auftreten eines Dandys und Playboys gehabt haben. „Er hatte Geld wie Heu“, berichtete Tobias Engelsing, Historiker und Direktor der Konstanzer Museen.
Obwohl nur mit einer geringen Körpergröße von etwa 160 Zentimeter, kurzen Beinen, einem langen Oberkörper, einem breiten Becken und einer übermäßig hervortretenden Nase ausgestattet, hatte er zahlreiche Liebesaffären. Dabei schien er, den seine Schulkameraden als „melancholischen Papagei“ bezeichneten, keine Standesunterschiede zu kennen: Die unerfahrenen Bauern- und Bürgertöchter waren eine leichte Beute. Mindestens eine Beziehung zu einer adligen und verheirateten Frau am Untersee ist nachgewiesen. Abwechslung gönnte er sich in schmierigen Bordellen, die damals offiziell verboten waren. Die Tätigkeit der Liebesdienerinnen galt schließlich als Unzucht. In der Niederburg soll es mehrere dieser sogenannten Winkelwirte gegeben haben, die dieses einträgliche Geschäft betrieben.
Dass ein solches Leben nicht ohne Folgen blieb, war nicht zu verwundern. So sorgte der spätere Franzosenkaiser am See für zahlreichen Nachwuchs. Es gibt sowohl in Konstanz als auch im Thurgau Menschen, die mit großer Wahrscheinlichkeit direkte Nachkommen jenes Mannes sind, der später mit dem deutsch-französischen Krieg Geschichte schrieb. Familienstammbäume, Urkunden und nicht zuletzt körperliche Eigenheiten wie die Gesichtsform und die charakteristische Nase lassen auf eine Abstammung von Louis Napoleon schließen.
„Manchmal geben auch eigenartige Namen einen Hinweis auf eine mögliche Abstammung“, erklärte Engelsing, der sich bei der Ausstellungsvorbereitung ebenfalls mit der Ahnenforschung befasst hat. Engelsing verspricht, dass er noch vor Ausstellungsbeginn einen Napoleon-Nachfahren präsentieren wird. Wer es ist, will er jedoch noch nicht verraten.
Napoleon III. gilt als ausgesprochener Menschenfreund. So vergaß er Menschen nicht, die ihm irgendwann einmal etwas Gutes getan haben. Als Zeichen seiner Verbundenheit verschenkte er schlichte – heute noch vorhandene – Ringe aus Kupfer oder Bronze. „Er leistete über Abgesandte und Mittelsmänner Unterhaltszahlungen und sorgte für eine bessere Bildung auf höheren Schulen“, berichtete der Museumsdirektor.
Sein ausschweifendes Leben sorgte in der rund 5000 Einwohner zählenden Stadt schließlich für Ärger, so dass sich seine Mutter zum Einschreiten veranlasst sah. Heiratspläne zerschlagen sich jedoch. Auch als er mit Eugénie de Montijo verheiratet ist, hält sich Napoleon III. vielfach Geliebte. Erst seine schwere Krankheit, die ihn ab den 1860-er Jahren belastete, beendete seinen Drang nach Frauenabenteuern.
Autor: Nikolaj E. A. Schutzbach – Letzte Änderung: 2008-05-04 23:28:28

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