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Berichte

2008-05-07 – Kaiser Napoleon III. war ein echtes „Frichtle“

Vortrag in der Reihe „Exponat des Monats“ zur Ausstellung „Kaiser vom Bodensee“

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Museumsdirektor Tobias Engelsing präsentiert ein Relief aus Gips, das Mina Lindsay darstellt, einer adligen Geliebten des späteren Franzosenkaisers Napoleon III. Mina Lindsay lebte mit ihrem Mann, einem englischen General, im Schloss Hard in Ermatingen.
Foto: Nikolaj E. A. Schutzbach (2008-05-07)
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Das Relief aus Gips stellt Mina Lindsay dar, eine adlige Geliebte des späteren Franzosenkaisers Napoleon III. Mina Lindsay lebte mit ihrem Mann, einem englischen General, im Schloss Hard in Ermatingen.
Foto: Nikolaj E. A. Schutzbach (2008-05-07)
Konstanz (-) „Er ist einer der ‚vergessensten‘ Herrscher des 19. Jahrhunderts“, sagte Tobias Engelsing über Napoleon III., den letzten französischen Kaiser. Vor weit über ein Hundert Zuhörern im Wolkensteinsaal des Kulturzentrums rückte der Konstanzer Museumsdirektor das Geschichtsbild des „Kaisers vom Bodensee“ zurecht. Louis Napoleon Bonaparte verbrachte seine prägenden Jugendjahre in Konstanz und am Untersee.
In der Reihe „Exponat des Monats“ präsentierte Engelsing einige interessante Schaustücke, die nicht Eingang in die Ausstellung gefunden haben. So konnten die Gäste ein Stück der Originaltapete bewundern, die seinerzeit das Schloss Arenenberg schmückte, das Louis Napoleon mit seiner Mutter Hortense, „einer schwerreichen Frau“, bewohnte. Obwohl sie mit einem Hofstaat angereist war, sei deren Leben „nicht prunkig und nicht protzig“ gewesen, berichtete der Museumschef.
„Der gute Louis“ war ein echtes „Frichtle“, erzählt Engelsing über den späteren Kaiser. An den literarischen Treffen seiner Mutter habe er kein Interesse gezeigt. Stattdessen habe er sich „mit seinen Freunden davon gemacht“. Bekannt – oder vielmehr berüchtigt – war er für seine unzähligen Liebesabenteuer: „So wie andere Brezeln essen, machte er sich über die Frauen her“, beschrieb der Historiker Engelsing die Umtriebe des nur 1,60 Meter kleinen Mannes.
Das Verhältnis mit der elf Jahre älteren Mina Lindsay – der Museumsleiter präsentierte dem Publikum ein Relief aus Gips und eine Fotografie – dürfte Louis Napoleons sexuellen Erfahrungsschatz bereichert haben. Sie lebte mit ihrem wesentlich älteren Mann, einem verdienten englischen General aus den napoleonischen Kriegen, auf Schloss Hard in Ermatingen am schweizerischen Ufer des Untersees. Louis‘ Umtriebe in den höheren gesellschaftlichen Kreisen stieß alsbald auf Unmut, sodass er sich alsbald auf „schnelle Liebesabenteuer“ in den weniger begüterten Gesellschaftschichten verlegen musste.
So erzählte der Historiker, wie der junge Mann die Frau des Bäckers Knäble über den Tresen zu ziehen versuchte. Ihr hinzukommender Mann wirft den Adligen schließlich aus dem Laden! Louis Napoleon habe „einen Hang zu exotischen Schönheiten“ besessen. Aus heute noch vorhandenen Urkunden lasse sich ein Verhältnis mit Maria Anna Schiess aus Allensbach herleiten. 1838 habe der 29-Jährige mit der 25-jährigen Nachfahrin andalusischer Zigeuner einen Sohn gezeugt, der auf Bonaventur getauft worden sei. Deren Nachkommen leben heute noch in Konstanz, so Engelsing.
Louis Napoleon gab sich gerne leutselig. „Er hatte eine schrankenlose Art mit Menschen umzugehen“, erzählte der Museumsdirektor. Als Mitglied der Casino-Gesellschaft – die ihren Sitz im heutigen Münsterpfarramt hatte – war ein begeisterter Anhänger der Fasnacht. Als Kaiser führte er die berühmten Pariser Maskenbälle wieder ein. Sie seien eine Kopie der Konstanzer Fasnachtsbälle geworden, so Tobias Engelsing.
Autor: Nikolaj E. A. Schutzbach – Letzte Änderung: 2008-05-25 11:10:58

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