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Berichte
2008-08-08 – Der Kaiser vom Bodensee zieht anPositive Zwischenbilanz der Doppelausstellung Napoleon III. zu dessen 200. Geburtstag
Konstanz (-) Prinz Charles Louis Napoleon Bonaparte, besser bekannt als Napoleon III. - Der Kaiser vom Bodensee, erfreut sich der Gunst von rund 25 000 Besuchern. Die Doppelausstellung der Konstanzer Museen und des Napoleonmuseum auf Schloss Arenenberg hat diese stolze Zahl während dreier Monate an Gästen angelockt, freuen sich die beiden Direktoren Tobias Engelsing und Dominik Gügel über das erfolgreiche deutsch-schweizerische Kooperationsprojekt. Beide hatten zu einem Pressegespräch über die Halbzeitbilanz ins Kulturzentrum am Münster geladen.
Rund 9 000 Besucher zählte Tobias Engelsing in Konstanz – ohne Teilnehmer der Rahmenveranstaltungen. „Eine gigantische Zuwachsrate“, sagt er. Setze sich der Trend bis zum Ende der Ausstellung fort – sie wird bis Ende Oktober verlängert – würden die erwarteten Besucherzahlen deutlich übertroffen, erklären die beiden Museumsleiter. Neben bedeutenden deutschen und schweizerischen Medien hätten auch französischen Medien den Kaiser vom Bodensee entdeckt.
Die Konstanzer haben rund 123 000 Euro in die Ausstellung investiert. Nur durch eine Förderung der Landesstiftung Baden-Württemberg mit 40 000 Euro sei diese Ausstellung überhaupt möglich geworden, betont Tobias Engelsing. Dominik Gügel nennt rund 230 000 Schweizer Franken als Kosten. Beim Vergleich der Finanz- und Besucherzahlen sind jedoch die unterschiedlichen Rahmenbedingungen beider Häuser zu beachten. So ist der Etat des Napoleonmuseums ungleich höher. Dieses profitiert zudem von Besuchen der Dauerausstellung und des Gartens.
Die „öffentlichkeitszugewandte Ausstellung“ werde vom Tourismus gut angenommen. Dass beide Museen einen gemeinsamen Vertrieb entwickelt hätten, habe sich bewährt, sind sich Engelsing und Gügel einig. Aus ganz Deutschland reisten Besucher zu den Ausstellungen an den Bodensee. Auch in Frankreich stoße Napoleon III. auf großes Interesse. Das sei neu, da der letzte französische Kaiser in seinem Vaterland nicht beliebt sei. „In Frankreich ist er pfui“, sagte Engelsing, da er für den verlorenen Deutsch-französischen Krieg anno 1870/71 und den Verlust von Elsass-Lothringen verantwortlich gemacht werde. Allerdings, so Engelsing, habe die ihm nachfolgende republikanische Regierung die Kapitulation unterzeichnet.
Dass viele Italiener die Doppelausstellung besuchten sei eine weitere Überraschung, teilte Engelsing mit. Japanische Besuchergruppen stürzten sich auf die Ecke mit dem nachgestellten Biedermeier-Zimmer, berichtete er weiter. Jeder einzelne aus der Gruppe lasse sich dort in den nachgeschneiderten Biedermeier-Kleidern fotografieren.
Der Museumsshop im Kulturzentrum werde ebenfalls gut angenommen. Die beiden Druckerzeugnisse mit ihren kurzen, informativen Texten in drei Sprachen, passe wohl zum Zeitgeist, mutmaßt Engelsing, denn deren Verkaufszahlen seien sehr gut. „Sie verkaufen sich wie warme Semmeln“, freut sich der Konstanzer Museums-Chef.
Die Vorbereitungen zur Doppelausstellung hätten die eigenen Forschungen zu Napoleon III. deutlich vorangebracht, berichten die beiden Direktoren. Sie würden auch nach dem Ende der Ausstellungen weitergehen. So hätten sie in vielen Quellen die „liberale Prägung des jungen Dandys“ hier am Bodensee bestätigt gefunden.
Immer wieder träfen neue Fundstücke ein, ob die schlichten Kupfer- oder Bronzeringe, die auf eine Nachkommenschaft zu Prinz Louis Napoleon hinweisen, Briefe, ein Macaire-Bankprospekt oder gar eine Münze, die einem heutigen Kaufkraft-Gegenwert von rund 1 500 Schweizer Franken entspräche. Christina Egli, die Stellvertreterin von Dominik Gügel, hat erst jüngst Zugang zu Geheimakten in Frankreich erhalten, die weitere spannende Details zum Leben des letzten französischen Kaisers erwarten lassen.
Engelsing betonte ausdrücklich, die Bedeutung der Anwesenheit des Prinzen und seiner Mutter hier am See. Für die „Residenzstadt“ Konstanz bedeutete dies den Beginn des wirtschaftlichen Aufschwungs, der weit über die Stadt hinausreichte. Schließlich habe Königin Hortense in die hiesige Industrie investiert. Nicht zuletzt die Dampfschifffahrt auf dem Bodensee profitierte von ihrem finanziellen Engagement.
Viele Konstanzer Unternehmen wurden damals zu Hoflieferanten ernannt. Etliche von ihnen existieren heute noch – wenn auch oft nicht mehr in der Hand der gleichen Familie. Beim Verkaufsoffenen Sonntag in Konstanz am 26. Oktober 2008 wollen die Konstanzer Museen gemeinsam mit der Werbegemeinschaft der Einzelhändler, dem „Treffpunkt Konstanz“, noch einmal an diese enge Beziehung erinnern. |
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