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Berichte

2008-08-16 – Lustwandeln im Garten eines kaiserlichen Prinzen

Die Stiftung Napoleon III. schließt Restaurierung des Kernstücks des Gartens ab – Rundgang mit Medienvertretern

File-id: 202
Foto: Nikolaj E. A. Schutzbach (2008-08-16)
Arenenberg (-) Nachempfingen wie sich die Mutter von Kaiser Napoleon III. in ihrem romantisch gelegenen Schlosspark zu Arenenberg vergnügt haben mag, können die Besucher seit Mitte August 2008. Hortense de Beauharnais, ehemalige Königin von Holland und Mutter von Louis Napoleon, dem späteren Kaiser Napoleon III., hatte 1835 den Park nach ihren Vorstellungen gestalten lassen. 1855 ließ Napoleon III. die künstliche Landschaft wieder auf Vordermann bringen, um ihn in der Form zu erhalten, wie sie seine 1837 verstorben Mutter gewünscht hatte.
Eine Vielzahl erhaltener Pläne, Zeichnungen und Fotos haben es möglich gemacht, dieses aufwendige Vorhaben umzusetzen. Rund 2,6 Millionen Schweizer Franken hat die Stiftung Napoleon III. gesammelt um die Restaurierung zu ermöglichen. Etwa 5,5 Hektar ist das Kernstück groß, das in über einjähriger Bauzeit gestaltet wurde. Insgesamt beträgt die Parkgröße rund 13 Hektar. Weitere Teile sollen in den kommenden Jahren restauriert werden. Darunter wird auch irgendwann die Verlegung des heutigen Parkplatzes fallen. Einen genauen Zeitplan gibt es nicht. Nicht zuletzt hängt es von den finanziellen Mitteln ab, die verfügbar sein werden. Aber auch weitere Forschungsaufgaben erwarten Museumsdirektor Dominik Gügel und sein Team, um die Verhältnisse der damaligen Zeit richtig wiedergeben zu können. Und schließlich müssen die Verantwortlichen ständig auf Überraschungen gefasst sein: Diese machten mehrfache Planungsänderungen erforderlich. Im Hang werden weitere Grotten und Höhlen vermutet.
Archäologen haben in mühevoller Kleinarbeit die verschiedenen Erdschichten abgetragen. Sie sind sich sicher, wenn sie noch weiter graben würden, könnten sie die Geschichte bis in Mittelalter oder gar bis in römische Zeit zurückverfolgen. Sicher eine spannende Angelegenheit, aber Gügel und die Altertumsforscher haben sich selbst Beschränkungen auferlegt, und beschlossen die weiter zurückliegende Vergangenheit ruhen zu lassen.
In enger Zusammenarbeit haben Stiftung, Museum, Architekten und Landschaftsbauer dafür gesorgt, dass Wege, Treppen, Wiesen und Beete sowie Grotten instand gesetzt wurden. Ein Springbrunnen erhält sein Wasser mittels natürlichem Gefällen aus Behältern im Hang. Die Leitungswege blieben im Wesentlichen erhalten. Allerdings mussten die alten, giftigen Bleirohre durch solche aus Plastik ersetzt werden. Und das Wasser wird im Kreislauf geführt, da sonst hohe Abwasserkosten zu zahlen wären. Der Brunnen wird wegen der Kosten meist nur mit gedrosseltem Zufluss betrieben. Besuchergruppen kommen allerdings in den vollen Genuss der Fontäne, denn für sie wird der Hahn voll aufgedreht.
In der rückwärtigen Wand zum Brunnen ist die Grotte samt Kaskadenwand freigegraben und wieder hergestellt worden. Links davon entstand wieder die hölzerne Eremitage. Diese habe wohl keinem sakralen (geistlichen) Zweck gedient, erklärte Dominik Gügel. Rechts von der Grotte führt eine Treppe, die sogenannte Himmelsleiter hinan. Sie endet bei der Kapelle. Da sich die Geländeformation nicht mehr im Zustand von Mitte des 19. Jahrhundert befindet, musste eine teilweise im Hang aufgehängte Treppe erstellt werden. Sie ist ein moderner Bau, jedoch stellt sie den damaligen Verlauf der Himmelsleiter nach. Auf eines legt der Museumdirektor und Historiker großen Wert: Die hier erwähnte Grotte sei keine Kopie derer von Lourdes, wie von manchen Leuten behauptet werde.
Autor: Nikolaj E. A. Schutzbach – Letzte Änderung: 2008-08-16 12:38:58

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