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Berichte

2007-06-16 – Trinkbares aus vergifteten Brunnen

THW testet Trinkwasseraufbereitungsanlagen – 15 000 Liter Wasser pro Stunde

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Über ein verzwicktes System an Schläuchen müssen die Gäste des THW steigen, als sie die mobile Trinkwasseraufbereitungsanlage des THW am Wasserwerk besichtigen.
Foto: Nikolaj E. A. Schutzbach (2007-06-16)
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Der ehrenamtliche THW-Helfer Michael Deininger (links), Technischer Leiter der Wasserwerke in Dießen am Ammersee, erklärt den beeindruckten Gästen das Filtrationssystem der Trinkwasseraufbereitungsanlage.
Foto: Nikolaj E. A. Schutzbach (2007-06-16)
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Der ehrenamtliche THW-Helfer Michael Deininger (zweiter von links), Technischer Leiter der Wasserwerke in Dießen am Ammersee, erklärt den beeindruckten Gästen Ingrid Heinl (links), Dorothee Jacobs-Krahnen und Michael Norgauer (hinten) das Filtrationssystem der Trinkwasseraufbereitungsanlage.
Foto: Nikolaj E. A. Schutzbach (2007-06-16)
Konstanz (-) Nach Katastrophen wie Überschwemmungen oder Erdbeben ist nicht selten das Trinkwasser knapp. Sei es, weil die Pumpen und Versorgungsleitungen zusammengebrochen sind oder die Wasserfluten die Trinkwasserbrunnen verunreinigt haben. In solchen Fällen entsenden Hilfsorganisationen wie das Technisches Hilfswerk (THW) Fachleute mit Trinkwasseraufbereitungsanlagen in die Krisengebiete.
Derzeit nimmt das THW zwei neue Anlagen in Betrieb, die unter Anderem in Konstanz getestet und für zukünftige Einsätze vorbereitet werden. Diese je rund 400 000 Euro teuren Anlagen können in der Stunde bis zu 15 000 Liter verunreinigtes Wasser zu Trinkwasser aufbereiten. Das verzweigte System besteht aus Zelten, Behältern, Schläuchen, Pumpen, Messgeräten und Maschinen, die wenn sie voll aufgebaut sind, Material aus 33 Packstücken benötigen und insgesamt 7,9 Tonnen wiegen.
Das benötigte Süßwasser kann aus Bächen, Seen oder Brunnen entnommen werden, die verschmutzt oder gar vergiftet sind. Was am Ende der aufwändigen Reinigungskette herauskommt, erfüllt sogar die strenge deutsche Trinkwasserverordnung. Bei Bedarf kann Chlor zugesetzt werden um Keime abzutöten. Dies wird überall dort erforderlich, wo nicht sichergestellt ist, dass die Tanks oder Kanister hinreichend sauber sind. Bürokratische Hürden, aber auch sachliche Zwänge stehen manchmal einem sehr schnellen Einsatz entgegen: So benötigen manche biologische Untersuchungen 18 Stunden bis erste Ergebnisse vorliegen. Zur Anlage gört ein chemisches und biologisches Labor, das auch von anderen Hilfsorganisationen genutzt wird.
Der Transport in Deutschland bereitet keine Problem: Die Anlage wird auf einen großen Lastwagen verladen und an den Bestimmungsort gefahren. Bei Einsätzen im fernen Ausland müssen Flugzeuge als Transportmittel benutzt werden, wobei es erhebliche Gewichtsbeschränkungen gibt. Da die Anlage in Modulen (Bausteinen) aufgebaut ist, die teilweise unabhängig voneinander betrieben werden können, ist das THW bestrebt, sinnvolle Kombinationen zusammenzustellen. Diese sollen ein möglichst geringes Gewicht haben und trotzdem einen vollwertigen (Erst-)Einsatz ermöglichen. Nach und nach können dann weitere Module nachgeführt werden. Die Aufbauzeit der gesamten Anlage beträgt etwa acht Stunden.
Für den bestmöglichen Betrieb der Anlage sind zehn Leute nötig. Dieses Personal ist über ganz Deutschland verteilt und den sogenannten SEEWA-Stützpunkten (siehe Infokasten) zugeteilt. Die drei Stützpunkte in Blaubeuren bei Biberach, in Göttingen und Itzehoe bei Hamburg werden in Zukunft über je eine dieser neuen Anlagen verfügen, die ältere und nicht so leistungsfähige ersetzen. Aus Konstanz gehört Wolfgang Rüdiger zu diesem Team, das binnen 12 Stunden abflugbereit ist.
Mehr über das THW und seine Aufgaben im Internet: www.thw.de

SEEWA

Die SEEWA ist die Schnell-Einsatz-Einheit Wasserversorgung Ausland des Technischen Hilfswerks und 2004 gegründet worden. Zu den Aufgaben der SEEWA zählen die Erkundung, die mobile Trinkwasseraufbereitung, die Analyse, die Beratung zur Wiederherstellung der örtlichen Wasserversorgung und die Instandsetzungen verunreinigter Brunnen. Die bisherigen Einsätze führte die SEEWA nach Sri Lanka und Indonesien (nach Tsunami), Indonesien und Pakistan (Erdebeben) und in den Sudan (Flüchtlingsversorgung).
Autor: Nikolaj E. A. Schutzbach – Letzte Änderung: 2007-08-05 17:43:28

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