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Berichte
2008-04-19 – Klare Worte bei der ZugtaufeBahn verbietet Kundgebung – Hochgeschwindigkeitszug auf „Konstanz“ getauft
Konstanz (-) Für einen schöneren Bahnhof demonstrierte die Freie Grüne Liste (FGL) kurz vor Beginn der Zugtaufe. Mit Sekt tauften Werner Klingberg, Konzernbevollmächtigte der Deutschen Bahn AG (DBAG) für Baden-Württemberg, und Oberbürgermeister Horst Frank einen ICE 3 auf den Namen „Konstanz“. Viele Gemeinderäte sowie Land- und Bundestagsabgeordnete nahmen am Festakt teil.
Die große Zahl der hiesigen Politprominenz unterstrich die Bedeutung dieses Ereignisses und dürfte den Vertretern der DBAG nachdrücklich klargemacht haben, dass die Volksvertreter nicht bei ihren Forderungen nach mehr Fernverkehr und der Verschönerung der Bahnhöfe nachlassen werden. Sehr deutlich wurde die FGL kurz vor Beginn der Ansprachen: „Stuttgart glänzt – Konstanz stinkt“, „Vorne hui – hinten pfui“ oder „ICE Halt – Versprechen oder Versprecher“ war auf Spruchbändern zu lesen, die von FGL-Gemeinderäten hochgehalten wurden. Die Grünen streben Barrierefreiheit an und wollen gegen die „verlogene Politik der Bahn“ (Jacobs-Krahnen in einem Schreiben an die Redaktion) protestieren.
Diese Aktion fand jedoch nicht den Beifall der Deutschen Bahn: Ein Mitarbeiter forderte die Demonstranten auf, den Bahnhof zu verlassen. Dorothee Jacobs-Krahnen und Kollegen zeigten daraufhin ihre persönlichen Einladungen vor, und unterstrichen damit ihr Anwesenheitsrecht. Thomas Mandl, stellvertretender Inspektionsleiter der Bundespolizei in Konstanz, vermittelte zwischen beiden Interessensgruppen um Handgreiflichkeiten zu vermeiden. Der beauftragte Bahnmitarbeiter half schließlich beim Einrollen eines Plakats. Kurz darauf entfernte die FGL ihre beiden anderen Schriftbänder, sodass der Festakt ohne weitere Zwischenfälle ablaufen konnte. Weniger auffällig hatte die SPD ihre Meinung kundgetan, indem sie kleine Handzettel verteilen ließ, auf denen unter anderem die Einrichtung der seit Jahren geforderten Mobilitätszentrale angemahnt wurde.
Der Konzernbevollmächtigte versprach in seiner Rede „peu à peu einiges zu tun“. Mit der Taufe wolle er ein Signal geben und zeigen, dass ihm „die Stadt am Herzen liegt“. Er sei mit dem OB einig, den Bahnhof komplett neu zu gestalten. Hierfür würden noch im Laufe dieses Jahres für den Schweizer Bahnhof und die Ladenzeile Partner gesucht, da die DBAG den Umbau nicht alleine finanzieren könne. 800 000 Euro wolle die Bahn ab Juni in die Sanierung des Turmes stecken. In den letzten beiden Jahren seien 600 000 Euro ausgeben worden: unter anderem habe es ein neues Fahrgastinformationssystem, eine neue Wegeleitung und neues Mobiliar geben, erklärte Werner Klingberg.
Horst Frank hofft, dass der Zug mit dem Schriftzug und dem Wappen an den Seiten der beiden Steuerwagen die Sehnsucht nach Konstanz wecken möge. Als Nachbar des Bahnlandes Schweiz, wünsche er sich ein Bahnland Deutschland. „Die Eisenbahn ist unverzichtbar“, betonte der OB. „Und das Kerosin zu versteuern ist unverzichtbar“, forderte Horst Frank unmissverständlich, „um mit gleichen Bedingungen am Markt antreten zu können“.
Das Flaggschiff der Deutschen BahnDer ICE 3 ist das Flaggschiff der Deutschen Bahn. ICE steht für Intercity-Express, die „3“ für die dritte Generation dieser Züge. Der 200 Meter lange Treibwagenzug fährt maximal 330 Kilometer in der Stunde schnell. Seine Motoren leisten zusammen 8000 Kilowatt, was etwa der hundertfachen Leistung eines Mittelklassewagens entspricht. Der Zug hat 440 Sitzplätze und wird oft zu einer Doppeleinheit gekuppelt. In Dienst gestellt wurden die Einheiten im Jahr 2000. Rund eine halbe Million Kilometer legt ein Triebzug im Jahr zurück. Als typischer Hochgeschwindigkeitszug fährt er bevorzugt zwischen großen deutschen Städten und ins benachbarte Ausland. Nur auf manchen Neubaustrecken kann er die Höchstgeschwindigkeit erreichen. Der ICE 3 wird nie fahrplanmäßig Konstanz erreichen: weder die Schwarzwaldbahn noch die Gäubahn werden jemals geeignete Bahnlinien sein.
ÜberpünktlichHeute steht die Eisenbahn nicht mehr unbedingt für Pünktlichkeit. Dass es auch anders geht, zeigte die Deutsche Bahn AG am Samstag. Auch wenn ein Zug nicht im – öffentlich zugänglichen – Fahrplan steht, so wird für jede Fahrt von A nach B vorab ein minutiöser Fahrplan erstellt. Darin ist jeder vorgesehene Halt und jede Durchfahrt verzeichnet. So hatte auch der ICE 3 „Konstanz“ einen solchen Fahrplan. Wie so viele hielt auch dieser sich nicht daran: Schließlich traf er überpünktlich eine runde Viertelstunde zu früh ein! Sehr zur Freude mancher Schaulustiger, die ihn nun länger fotografieren konnte. Ein Bahnfan, der planmäßig aber doch zu spät kam, hat sich geärgert: Schließlich wollte er ihn bei der Einfahrt vor dem Konzil ablichten. Galerien1 Galerien
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