medienberichte.de
2006.04.03 – Gut durchdachte Seelenhilfe
80 Einsätze der Notfallsseelsorger – Jahresbericht über erfolgreiche Arbeit
Landkreis Konstanz (nea) Die Anerkennung durch Hilfs- und Rettungsorganisationen ist der seit Februar 2005 bestehenden Notfallseelsorge im Landkreis Konstanz (NFS-KN) sicher, wie aus deren Jahresbericht hervorgeht. Die Notfallsseelsorger sind stolz darauf, "ein durchdachtes Konzept der ökumenischen Notfallseelsorge erarbeitet" zu haben. Da jedoch die Aufgaben wachsen, stellt sich die Frage nach der zukünftigen Finanzierung dieser wichtigen Arbeit.
80 Einsätze hatten die Notfallseelsorger – darunter eine Frau – im abgelaufenen Jahr. 21 Mal wurden sie nach vergeblichen Wiederbelebungsversuchen gerufen. Bei 17 Selbstmorden und Selbstmordversuchen sowie bei 15 Verkehrsunfällen war ihre Hilfe gefragt. Zehn Mal begleiteten sie die Polizei bei der Überbringung von Todesnachrichten. Zu wenig genutzt werde bisher die Betreuung von Einsatzkräften nach belastenden Einsätzen, schreibt im Jahresbericht Pfarrer Hans-Wilhelm Ubbelohde, der einer der beiden Leiter ist.
Die Teamarbeit findet ausschließlich ehrenamtlich statt und wird nicht auf ein kirchliches Deputat angerechnet. Das evangelische Dekanat Konstanz finanziert bisher den größten Teil der kirchlichen Mittel einschließlich einiger Sekretärinnenstunden. Rund 50 Prozent des vorhandenen Geldes stamme aus Spenden, schreibt Ubbelohde. So konnten die Einsatzjacken von einer einzigen Spende beschafft werden. Die Aus- und Weiterbildung sowie die Supervision fordern ebenfalls erhebliche Geldmittel. Den Rest finanziert die katholische Kirche. Im Laufe dieses Jahres muss die Finanzierung neu verhandelt werden, um mit dem steigenden Bedarf mithalten zu können.
Das Team müsse wachsen, fordern die Helfer. So kämen zu Beginn dieses Jahres zwei neue Mitglieder hinzu. Dennoch zeichnet sich ab, dass im kommenden Jahr zwei Aktive ausscheiden werden. Ziel der NFS ist es, 16 bis 20 Mitglieder zu haben. So könnten heute keine Urlaubs- und Krankheitszeiten ausgeglichen werden und Alle müssten in ständiger Bereitschaft sein. Auf der mittelfristigen Wunschliste steht ein Fahrzeug, das bei größeren Unglücksfällen zum Einsatz kommen soll, wenn Menschen vor Ort seelsorgerisch zu betreuen sind.
Unterstützung erhält die NFS-KN durch Landrat Frank Hämmerle, Kreisbrandmeister Rolf-Jürgen Stoffel, die Polizei, die Feuerwehren, das Technische Hilfswerk (THW), den Malteser Hilfsdienst (MHD), die Johanniter Unfallhilfe (JUH), das Deutsche Rote Kreuz (DRK), die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG), den Arbeiter Samariter-Bund (ASB) und die Notärzte. Die Notfallseelsorger werden von der Leitstelle in Radolfzell über Funkalarmempfänger ("Piepser") verständigt.
Die NFS-KN informiert auf einer eigenen Homepage:
www.nfs-konstanz.de. Die Homepage
www.notfallseelsorge.de gibt einen allgemeinen Überblick.