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2006.04.30 – Ein Autoelektriker als Schlangenfänger

Bekanntester Abschleppdienst in Konstanz schließt – Die Ära Knöpfle geht zuende

Konstanz (nea) Manchem ist er als "der Böse" bekannt, der falsch geparkte Autos abschleppt, den meisten dürfte er jedoch als rettender "Gelber Engel" in Erinnerung sein – und bleiben: Werner Knöpfle mit seinem Abschleppdienst schließt die Meisterwerkstatt und geht Ende April in Rente. Sein Betriebsgelände gehört zum Sanierungsgebiet Petershausen.
Der gelernte Kraftfahrzeugelektriker wurde am 21. April 1941 in Hubertshofen bei Donaueschingen geboren. Nach der Schule begann er eine Lehre als Schlosser und Schmied, die er jedoch abbrach. Mehr Erfolg hatte er als Autoelektriker. Nach der Lehre arbeitete er bei verschiedenen Firmen. Bei Schiesser in Radolfzell war er jahrelang für den Fuhrpark zuständig. Während dieser Zeit besuchte er in Abendkursen die Meisterschule. Nach dem Erwerb des Meisterbriefes ging er das Jahr darauf in die Selbstständigkeit.
Er wurde Pächter einer Araltankstelle in der Reichenaustraße (gegenüber der heutigen Agip-Tankstelle). Er erweiterte sehr erfolgreich sein Geschäftsfeld um einen Abschleppdienst, der bald Nachahmer fand. Anfang der 70-er Jahre gingen ein Abschleppwagen, ein Dach und mehrere Zapfsäulen in Flammen auf. Die Ursache konnte nie geklärt werden. Ein Verdacht hat sich bei Knöpfle bis heute gehalten: Er vermutet, dass ein damaliger Konkurrent den Brand gelegt haben könnte.
1972 erhielt Knöpfle die Zulassung vom ADAC, für diesen als Abschleppunternehmer tätig zu werden. Zwei Jahre später zog er in die Robert-Bosch-Straße. Dort arbeitete er ohne Tankstelle als Pannendienst und mit einer Autowerkstatt. 1980 verlagerte er seinen Betrieb in die Von-Emmich-Straße, wo er über ein Vierteljahrhundert bis heute blieb. An die Wohnhäuser gegenüber habe er sich bald gewöhnt. "Auch sie haben sich an mich gewöhnt" sagt er stolz. Er habe versucht, immer rücksichtsvoll zu sein. Auf das Abladen von Autos habe er nachts oft verzichtet, um den Schlafenden den Krach zu ersparen.
Die Hilfsbereitschaft ist Knöpfle eigen. Auch wenn's nicht immer einfach war. Eine wertvolle Stütze sei immer seine Frau Antonie gewesen, die auch die vier gemeinsamen Kinder großzog. Für den Betrieb besetzte sie das Telefon und den damals benutzten Funk. Aber es sei manchmal schon anstrengend wesen, berichtet Knöpfle: Immer in Bereitschaft, auch an Weihnachten oder Ostern, oder nachts aus dem Bett heraus zu müssen. "Übel" sei es an kalten Wintertagen gewesen oder wenn die Schnaken in Scharen zugerstochen hätten, berichtet Knöpfle.
Manchmal musste er auch schreckliches sehen, wenn er zu Verkehrsunfällen gerufen wurde. So blieben ihm die zwei im Auto verbrannten jungen Männer bei Allensbach in nachhaltiger Erinnerung, und die beiden Männer, die an der Kindlebildkreuzung bei einem Überholmanöver geköpft worden waren.
Knöpfle ist in Konstanz als Schlangenfänger bekannt, denn er hatte viele Jahre selbst diese Kriechtiere besessen. Die Polizei rief ihn immer, wenn die Reptilien sich in Autos an den unmöglichsten Stellen verkrochen hatten oder in Wohnungen aufzuspüren waren.
Heute hat Knöpfle noch zwei Hobbys: Er ist seit 1987 Vorsitzender der Männergesangsvereins Frohsinn, der sich mit fünf anderen Vereinen zur Männerchorgemeinschaft zusammengeschlossen hat. Außerdem hat er einen acht Monate jungen Hund "Amigo", den er verwöhnt.
Um seine Zukunft macht er sich keine Sorgen. Werner Knöpfle hat die Arbeit immer Spaß gemacht – trotzdem gehe er ohne Wehmut in Rente, betont er. Er weiß, dass er viele glückliche und zufriedene Kunden hatte. Nur eines gefällt ihm nicht: Dass der ADAC noch keinen Partner als Nachfolger benannt hat. Langeweile erwartet und fürchtet er nicht. "Ich bin dann ein freier Mensch", sagt er. Er will mit seiner Frau verreisen, schließlich hat er einiges nachzuholen: Nur dreimal war er im Urlaub während seiner Selbstständigkeit.
Werner Knöpfle, der wohl bekannteste Abschleppunternehmer in Konstanz schließt seinen Betrieb. In über 30 Jahren hat sich der Kraftfahrzeugelektriker einen guten Ruf erarbeitet.
 
 
Werner Knöpfle mit seinem Hund "Amigo" zwischen zwei Generationen an Abschleppautos: Links das rund fünf Jahre alte Fahrzeug und rechts ein Oldtimer, den er vor über 30 Jahren selbst zum Abschlepper umgebaut hat. Knöpfle schließt seinen Betrieb und geht in Rente.
Fotos: Nikolaj Schutzbach
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