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Berichte

2008-04-20 – Großes Interesse am Bodensee-Kaiser

Auftakt zur großen Doppelausstellung zum 200. Geburtstag von Napoleon III.

Spiegelverkehrt
File-id: 152 Spiegelverkehrt
Der Festakt zur Doppelausstellung „Napoleon III. – Der Kaiser vom Bodensee“ war professionell vorbereitet. Auch der Andrang der Gäste im vollbesetzten oberen Konzilssaal war vorbildlich. Die Stimmung war herzlich, es lag fast etwas wie die längst überfällige Verbrüderung des Kantons Thurgau mit seiner „Fast-Hauptstadt“ Konstanz in der Luft. Jedoch müssen die Konstanzer, so sie sich jenseits der Grenze eingemeinden wollen, etwas über Flaggen- und Wappenkunde lernen: Die beiden Löwen im Thurgauer Wappen müssen nach links blicken, und nicht wie im Konzil geschehen nach rechts.
Foto: Oliver Hanser (2008-04-20)
Konstanz (-) Über einen verbalen „Ritterschlag“ durfte sich Museumsdirektor Tobias Engelsing beim Festakt zur Eröffnung der deutsch-schweizerischen Doppelausstellung „Napoleon III. – Der Kaiser vom Bodensee“ im Konzil freuen. In den kommenden sechs Monaten sind viele neu entdeckte Museumsstücke im Kulturzentrum am Münster und im Napoleonmuseum in Arenenberg zu bewundern.
Die Ausstellung habe nationale Bedeutung nicht nur in Deutschland, sondern auch in der Schweiz und in Frankreich, sagte Dietrich Birk, Staatssekretär im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg und zugleich Vorsitzender des Kulturausschusses der Landesstiftung, die 40.000 Euro zur Ausstellung beisteuerte. Konstanz’ Museumsleiter Tobias Engelsing müsse „mindestens den Ritterschlag der Museumsleiter in Baden-Württemberg bekommen“, lobte Birk. Die Vorbereitungen zu den Ausstellungen hätten die Grundlagen für weitere Forschungen zu Napoleon III. gelegt. In Konstanz zeichnete Engelsing verantwortlich, auf Schloss Arenenberg Dominik Gügel.
Oberbürgermeister Horst Frank gab einen geschichtlichen Abriss: Der siebenjährige Prinz Louis Napoleon, Neffe des großen Napoleon I., war nach dem Sturz seines Onkels 1815 an den Bodensee geflohen. Er sorgte „für große Furore im damaligen Landstädtchen Konstanz“, sagte Frank, hier habe er „die Vorgabe und das Vermächtnis seiner Mutter erhalten“. Die Auseinandersetzung mit dem letzten französischen Kaiser zeige, dass Thurgau und Konstanz „eine gemeinsame Geschichte haben und familiäre Bindungen über Grenzen selbstverständlich waren“.
Das Kooperationsprojekt einer gemeinsamen Ausstellung könne Ansporn sein, aufgerichtete Grenzen wieder einzureißen, regte der Oberbürgermeister an. Laut Jakob Stark, dem Thurgauer Regierungsrat für Erziehung und Kultur, habe sich in der Geschichtswissenschaft das Bild Napoleon III. „zunehmend verändert, differenziert und verbessert“. Trotz seiner großen Leistungen bei der Modernisierung der französischen Wirtschaft und Gesellschaft sowie einiger außenpolitischer Erfolge war er lange Zeit an der Katastrophe von Sedan – der Ort der Niederlage im deutsch-französischen Krieg im Jahr 1870 – gemessen worden.
Das Leben im Thurgau hat den jungen Adligen mitgeprägt, sagte Stark. Und Louis Napoleon sei der erste und der einzige Ehrenbürger des Kantons Thurgau. Für den Historiker Tobias Engelsing ist „die Beschäftigung mit unserem Bodensee-Bonaparte auch historische Spurensuche nach den freiheitlich-eidgenössischen und süddeutsch-liberalen Wurzeln einer Kaiserjugend“. Mit den beiden Ausstellungen solle „das Zerrbild nationalistischer Geschichtsschreibungen ein bisschen begradigt“ werden.
Autor: Nikolaj E. A. Schutzbach – Letzte Änderung: 2008-05-08 19:04:22

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