medienberichte.de
Zeitungen, Zeitschriften, TV, Fernsehen, Rundfunk, Radio, Online, Homepages
Medien-Berichte (Presse-Berichte) und Fotos für Presse, Rundfunk, Fernsehen/TV und Online-Medien.

Berichte – Neuester Bericht – Allgemeines

2010-06-02 – Kaiserliches Prunkbad auf Schloss Arenenberg entdeckt

Napoleonmuseum Thurgau meldet sensationellen Fund

File-id: 230
In der angrenzenden Küche diente ein Badeofen mit direktem Zugang zum Tauchbecken der komfortablen Warmwasserzubereitung.
Foto: Napoleonmuseum Schloss Arenenberg (2010)
File-id: 231
Ein drei Meter langes, 1,3 Meter breites und 1,2 Meter tiefes Tauchbecken bildet das Zentrum des kaiserlichen Badezimmers. In den Boden eingelassen und mit weiß glasierten Tonkacheln ausgelegt erleichterte ein fünfstufiger Zugang am Fußende den Einstieg.
Foto: Napoleonmuseum Schloss Arenenberg (2010)
File-id: 232
Das Kopfende des Kaiserbads ziert eine Kachel mit in Relief gefertigtem, gekröntem Adler, der Reste einer Vergoldung aufweist.
Foto: Napoleonmuseum Schloss Arenenberg (2010)
File-id: 233
Das originale Badmobiliar blieb in den Sammlungen des Napoleonmuseums erhalten und ermöglicht eine weitestgehend vollständige Rekonstruktion.
Foto: Napoleonmuseum Schloss Arenenberg (2006)
Im Zusammenhang mit Umbauarbeiten im Prinzenflügel der Dependance von Schloss Arenenberg förderten Bauforscher, Restauratoren und Archäologen im Frühjahr 2010 sensationelle Ergebnisse zu Tage: Unter den neuzeitlichen Einbauten der Küche des Bildungs- und Beratungszentrums fanden sich hervorragende Befunde, die einen seltenen Blick in die Hygienevorstellungen und Sanitär- beziehungsweise Küchentechnik des 19. Jahrhunderts erlauben.
Neben dem wiedergefundenen Badeofen und den Fundamenten des Küchenherdes ist dabei Besonders ein „Kaiserlicher Badesaal“ am südlichen Ende des sog. „Prinzenflügels“ bemerkenswert. In dem etwa 20 Quadratmeter großen Raum konnten eine farbig gefasste Stuckdecke, Reste der Wandbemalung und des gemaserten Täfers (Holzverkleidung) sowie ein Sandsteinfußboden freigelegt werden.
Die eigentliche Sensation aber ist das darin befindliche „Kaiserbad“ und die damit verbundene Technik. Es handelt sich um ein etwa 300 Zentimeter langes, 130 Zentimeter breites und 120 Zentimeter tiefes Tauchbad mit Treppenzugang von Osten (Korridor). Die Oberfläche des in den Boden abgesenkten Beckens ist mit weiß glasierten Tonkacheln versehen, das Becken selbst aus großen, vertikal stehenden Sandsteinplatten.
Am westlichen Kopfende befindet sich eine Kachel mit in Relief gefertigtem, gekröntem Adler, der Reste einer Vergoldung aufweist. Darunter ist ein runder Wasseranschluss vorhanden, der an eine Leitung in miteinander „verzahnten“ Kanal aus Tonplatten grenzt. Dieser ist in die Westfassade des Gebäudeflügels eingebaut und findet außerhalb seine Fortführung. Dabei handelt es sich um eine Druckwasserleitung für Kaltwasser, die aus den Brunnenstuben (Quellen) oberhalb des Arenenbergs gespeist wird.
In der Nordwand des Beckens findet sich ein weiterer runder Anschluss, daneben ein eckiger Durchlass, die beide bis in den Heißwasserofen in der Küche führen. Von Osten erlaubten fünf weiß glasierte Treppenstufen einen angenehmen Einstieg in das Becken. Leider sind nur drei davon unzerstört erhalten geblieben, die restlichen beiden können aber aufgrund der Fragmente wiederhergestellt werden. Das Becken besaß ursprünglich ein vergoldetes Geländer, von dem aber keine Spuren mehr vorhanden sind.
Dank des sogenannten „Malerbuches“ aus dem Jahr 1855 (eigentlich ein Rechungsbuch des mit der Renovierung nach dem Rückkauf beauftragten Handwerkers) und zahlreicher ebenfalls mit dem Jahr 1855 beginnender Inventare des Schlosses Arenenberg lässt sich das Kaiserbad und sein Saal hervorragend restaurieren. Das darin ursprünglich vorhandene Mobiliar blieb in den Sammlungen des Napoleonmuseums weitgehend erhalten und erlaubt somit die Rekonstruktion der Gesamtsituation.
Das „Kaiserbad“ und sein „Saal“ können nach dem derzeitigen Stand der Untersuchung sicher als „Prunkbad“ bezeichnet werden, wenn auch noch die Freilegung der Deckenmalerei auf sich warten lässt. Soweit bekannt, wurde das Bad um 1835 eingerichtet und befand sich bis etwa 1905 in Betrieb.
Seine Installationen können als „Hightech“ des beginnenden 19. Jahrhunderts bezeichnet werden. Vor allem die Verbindung mit dem angrenzenden Heizofen, der gleichzeitig auch für den Warmluft-Herd der Küche sorgte, gilt als modernste Technik der Zeit.
Die durch das Amt für Archäologie, den vor Ort befindlichen Restaurator, die am Bau beteiligten Handwerker und das Napoleonmuseum zu Tage geförderten Befunde stellen nicht nur für den Kanton Thurgau, sondern weit darüber hinaus ein große Besonderheit dar. Sowohl der kaiserliche Badesaal, wie auch die damit in engem Zusammenhang stehenden technischen Einbauten des Garde Mangers beziehungsweise der Küche sind für diese Zeit und in dieser Form – soweit bisher recherchiert – in ganz Europa einzigartig. Diese Einschätzung teilt auch Elisabeth Caude, Konservatorin am Château National de Malmaison, die als ausgewiesene Kennerin der Geschichte des Badewesens besonders über die französischen Anlagen des 18. und 19. Jahrhunderts forscht und die Arenenberger Befunde bereits Mitte April besichtigte.
Darüber hinaus förderten die Forschungen neue Erkenntnisse zur Baugeschichte von Schloss Arenenberg zu Tage, die ebenfalls nicht zu unterschätzen sind. Im Rahmen der laufenden Baumaßnahmen stehen noch weitere interessante Befunde zu erwarten. Sie zeigen deutlich, dass die kaiserliche Geschichte des Arenenbergs nicht auf das Napoleonmuseum beschränkt ist, sondern zusammen mit den gesamten Bauten der Schlossanlage gesehen werden muss beziehungsweise nur so verstanden werden kann.
Dies alles hatte zur Folge, dass die Planungen für die betrieblichen Einrichtungen des Napoleonmuseums im Erdgeschoss des Prinzenflügels mehrfach geändert werden mussten. Bis 2011 entstehen dort nun ein Besucher- und Informationszentrum. Das Kaiserbad soll restauriert werden und ab April/Mai 2011 den Besuchern des Napoleonmuseums im Rahmen von Sonder- und Jahresausstellungen zugänglich sein.
Autor: Napoleonmuseum Schloss Arenenberg – Letzte Änderung: 2010-06-02 23:34:10

[HOME] [Login] [Home]